Der Tag der Zipöre

Warum?

“Warum ist der Montag des Schützenfestes der Tag der Zipöre”, wird von nicht Einheimischen immer wieder gefragt. Das soll nun hier beantwortet werden.

Wie allgemein bekannt sind die Zipöre, Sappeure, Pontoniere oder Pioniere, Gardesoldaten (deshalb auch die Epauletten). Ihre Aufgabe besteht darin Hindernisse zu beseitigen, um dem Bataillon den Durchmarsch zu ermöglichen. Auch die Klein Berliner Zipöre haben diese Aufgaben. Allerdings haben sie diese etwas abgewandelt. Im Vorfeld des Schützenfestes kümmern sie sich um alle nötigen Absperrungen. Am Sonntag nehmen die Zipöre nicht an der Schlacht teil, sondern sorgen für die Sicherheit der Zuschauer.

Aber am Montag:

Mit blanker Axt werden Barrikaden geräumt. Frauen, welche die Barrikaden errichtet haben, werden geraubt und festgesetzt - wenn nötig mit sanfter Gewalt. Die inhaftierten Frauen werden selbstverständlich ordentlich behandelt und bewirtet. Das Anbringen der Scheibe am Haus des neuen Schützenkönigs wird von den Zipören gemacht, und es wird natürlich gefeiert, gefeiert,gefeiert............

Das Katerfrühstück

Der Montag des Schützenfestes begann wie immer um 9 Uhr mit dem Katerfrühstück. Auch zu diesem Katerfrühstück hatte sich wieder viel Prominenz aus der heimischen Politik und Wirtschaft angesagt, darunter unser Landrat Butte.

Nach den Begrüßungsansprachen, einigen Ehrungen und dem anschließenden Frühstück trat das Bataillon an, um nach Wahrendahl zu marschieren und das letzte aktive Widerstandsnest auszuheben.

Der Freistaat

Der Kampf um den Freistaat Wahrendahl wird zunehmend härter. Nachdem die Zipöre unter Deckung der Buren die aus Baumstämmen aufgetürmten Hindernisse beseitigt hatten, konnte das Bataillon unter Feuer zum Schlachtfeld vorrücken. Hier entspann sich ein erbittertes Ringen um die letzte Bastion, welches die Räuber, Alpenjäger und die Kavallerie dann aber letztendlich verloren geben mussten. Die königstreuen Truppen waren zu stark und die Verluste zu hoch.

Ehrenvoll wurde von S.M. Günter II die Kapitulation angenommen, und für vier Jahre Frieden geschlossen.

Ein Kolateralschaden war zu verzeichnen. Die Dicke Berta fuhr vierspännig durch den gepflegten Vorgarten von Hauptmann Eiche. Die Kavallerie hielt diese Wagenspuren für einen Weg, und folgte geschlossen. Hauptmann Eiche soll nicht begeistert gewesen sein.

 

Klein Berlin

Der anschließende Marsch nach- und durch Hemeringen war einer der schweißtreibernsten der letzten Jahre. Temperaturen weit über 30°C verlangten allen Teilnehmern alles ab. Allerdings war die Versorgung mit kühlen Getränken durch die Einwohner von Hemeringen, allen voran der Apotheke, ganz hervorragend. Vielen Dank für die gute Versorgung.

Traditionsgemäß waren viele Barrikaden aufgebaut. Sie wurden natürlich von den starken Männern der 1. Kompanie geräumt. Die Frauen welche die Barrikaden aufgebaut hatten, wurden fast alle inhaftiert. Einige haben sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, haben mehrfach versucht davonzulaufen, waren dann aber im Gefängnis so mit ihrem Los zufrieden, dass sie das Gefängnis nicht mehr verlassen wollten.

Der Transport durch Hemeringen zum Gefängnis ist immer nicht ganz einfach. Viele der jungen Damen werden auf den Pferden der Kavallerie transportiert, andere auf den Kanonen.

Allen Transporteuren danken die Zipöre für ihre Hilfe.

Einen besonderen Service bot die Polizei den Zipören. Die begleitenden Polizisten waren natürlich ortskundig und wussten von den Transportproblemen. Deshab hatten sie als Einsatzfahrzeug einen Bully gewählt. Die besonders widerspenstigen Frauen kamen hier hinein und hatten natürlich dann keine Fluchtmöglichkeit mehr. Wir danken der Polizei für die Sicherung des Zuges und den Transport unserer schwierigsten Gefangenen.

Im Gefängnis spielten sich Szenen ab die vergessen ließen, dass es sich um eine Haft handelte. Die festgesetzten Frauen feierten total  ausgelassen und wollten trotz gezahlten Lösegeldes das Gefängnis nicht verlassen. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als einige Kameraden der Forellentaler Blasmusik von Hauptfeldwebel Vis-á-Vis engagiert wurden um im Gefängnis Musik zu machen. Auf Seemann folgte La Cuccaracha und anderes. So etwas hatte das altehrwürdige Gefängnis noch nicht gesehen. Noch ein Wort zu dem Gefängnis. Es handelt sich hierbei um die Grillhütte am Festplatz, die von Unteroffizier Klinker mit viel Arbeit und Mühe, mit Brettern und Tannengrün, ausbruchssicher, und trotzdem so hergerichtet wurde, dass sich die Damen darin wohlfühlten.

Die Frauen wurden schließlich mit Musik von der Brass Band geschlossen aus der Hütte gelockt und zum Schiesstand geführt. Es wurde ihnen vorgegaukelt, dass Königsproklamation sei. Am Schiesstand merkten sie dann, dass es noch eine Stunde zu früh war- aber jetzt war es zu spät. Das Gefängnis war verschlossen, und es gab kein hinein mehr.

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Der neue König

“Wer wird neuer Schützenkönig?” Das ist eine der meist gestellten Fragen am Montag des Schützenfestes. Ab 16 Uhr wird geschossen und je näher die Uhr der 18 Uhr Marke kommt, desto gespannter wird die Stimmung. Ab halb sechs stehen die Zuschauer vor dem Schießstand um Gerüchte und Vermutungen auszutauschen. Der Eine weiß es ganz genau, die Andere hat hier und da etwas gehört und der Dritte hat mit dem zukünftigen König bereits kommuniziert.

Es ist alle vier Jahre wieder hoch interessant.

Um Punkt 18 Uhr trat König Günter II vor das versammelte Bataillon und die Zuschauer um zu verkünden, dass der neue König ausgeschossen wurde. Wie fast erwartet - oder vielleicht auch doch nicht - handelte es sich um den Fleischermeister Friedrich-Wilhelm Lange, auch bekannt als Hauptmann Mettwurst, Kompanieführer der Räuber.

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Am Abend des Montags fand dann der Königsball statt. Die Stimmung war wie immer allererster Klasse. Ein besonderes Lob hat sich die Kapelle verdient. An allen drei Tagen des Festes hat sie es verstanden Einheimische wie Gäste in beste Stimmung zu bringen. Die Tanzfläche war immer bis zum Schluss gefüllt.

Als dann morgens das Fest seinem Ende zuging war man sich einig, dass es eines der schönsten Schützenfeste war, die bisher gefeiert wurden. Wir alle freuen uns auf 2010.

Der Mittwoch

Für die Zipöre hat das Fest immer noch ein kleines Nachspiel. Am Dienstag wird rund um den Festplatz und das Schlachtfeld aufgeräumt und sauber gemacht. Anschließend gibt es dann zum Abschluss einen kleinen Umtrunk und einen Imbiss.

Am Mittwoch wird die Schießscheibe am Haus des neuen Schützenkönigs am endgültigen Platz angebracht. Wenn das passiert ist, sind auch für die Männer der 1. Kompanie die tollen Tage vorbei.

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