Das historische Schützenfest in Hemeringen

Hemeringen ist ein Dorf von ca. 1500 Einwohnern, und liegt in der Nähe von Hameln, dicht an der Weser, mitten im wunderschönen Weserbergland.

Das Schützenfest ist ein wahrhaft historisches Fest und wird seit 1842 mit Unterbrechungen gefeiert. Seit 1954 wird es regelmäßig alle 4 Jahre gefeiert.

Die “Schlacht am Hemeringer Berg”, geht auf die napoleonischen Kriege zurück. Marodierende, in die Heimat zurückziehende, französische Soldaten und Söldner zogen auch durch Hemeringen. Bei den Plünderungen kam ein Hemeringer Einwohner ums Leben. Eine Bürgerwehr sorgte dann für Ruhe und Ordnung.

Aus dieser Geschichte sind wahrscheinlich die beiden großen Kompanien des Schützenfestes entstanden, nämlich die Schützen und die Räuber.

Das Schützenfest ist heute ein großes Ereignis, welches alle vier Jahre tausende Zuschauer nach Hemeringen lockt. Vor Allem aber, ist es ein Ereignis, das den ca. 500 aktiven Teilnehmern einen riesigen Spaß macht. Fast jeder Hemeringer Einwohner ist in irgendeiner Form an den Vorbereitungen, oder am Schützenfest selbst beteiligt.

Die teilnehmenden Kompanien:

Königstreue Kompanien:

Zipöre, Schützen, Bummsköppe, Schwerenöter, Buren

Die Gegner:

Räuber, Alpenjäger, Kavallerie

Neutrale:

Ärzte, Apotheker, Kapellen, Pfennigkompanie

 

 

Eine (erfundene) Geschichte von Jörg Künne (Leutnant Havanna, Zipöre) zur Entstehung der 3 ältesten am historischen Schützenfest teilnehmenden Kompanien.

So könnte es gewesen sein

Es war im Februar 1814. Die Nacht war eiskalt, und es hatte heftig geschneit. In Hemeringen, einem kleinen Dorf im Westen des Kurfürstentums Hannover nahe der Stadt Hameln herrschte Ruhe. In einer so kalten Nacht ging niemand, der nicht unbedingt musste, aus seinem Haus.

Aber die Ruhe war trügerisch. Aus Richtung Hameln näherte sich ein Trupp ehemaliger französischer Soldaten. Nach Napoleons vernichtender Niederlage bei der Völkerschlacht in Leipzig hatten sie sich ohne jegliche militärische Führung bis nach Hameln durchgeschlagen, in der Hoffnung, in der dortigen französischen Garnison Hilfe zu finden.

Sie hatten nichts militärisches mehr an sich. Ihre Uniformen waren zerlumpt und verdreckt. Die Haare und Bärte waren lang und verfilzt und bei genauem Hinsehen waren die darin hausenden Läuse gut zu erkennen. Im Gegensatz zu ihrem Aussehen führten sie bestens gepflegte Waffen bei sich. Die Musketen waren schussbereit und die Säbel waren blank poliert.

Ein Mann unter ihnen fiel ganz besonders auf. Er war hünenhaft gebaut und trug eine riesige Axt bei sich. Trotz seiner zerschlissenen Uniform konnte man noch erkennen, dass es sich um einen Sappeur handelte. Er war einer der wenigen Überlebenden, die für Napoleon im Winter 1812 in den eisigen Fluten der Beresina eine Brücke errichtet hatten, über welche dieser nach seiner Niederlage Richtung Frankreich fliehen konnte.

Viele seiner Kameraden hatten in Russland und danach in Leipzig den Tod gefunden, waren auf dem Rückzug aus der Festung Königstein verhungert oder ganz einfach von der Bevölkerung oder sich bildenden Bürgerwehren erschlagen worden. Er und seine Gruppe hatten es mit äußerster Brutalität und vielen begangenen Morden, Plünderungen und Vergewaltigungen bis zur vermeintlichen Garnison nach Hameln geschafft. Dort mussten sie aber nunmehr feststellen, dass die französische Besatzung nach der verlorenen Schlacht bei Leipzig aus Hameln geflohen war und sie dort nicht willkommen waren. Die Marodebrüder wurden von der Bevölkerung kurzerhand davongejagt.

Ihr Weg führte sie Richtung Westen, wo sie auf das Dorf Hemeringen stießen. Wenn sie gewusst hätten, was sie hier erwartete, hätten sie sicher einen großen Bogen um diesen Ort gemacht.

Leise schlichen Sie durch das Dorf um sich zu orientieren ob es irgendwo die Möglichkeit gäbe, die Nacht im trockenen und warmen zu verbringen. In Ställe wagten sie sich nicht hinein, weil die dort vorhandenen Gänse ein lautes Geschrei gemacht hätten oder die Hofhunde die Bewohner vor ihnen gewarnt hätten.

Nicht, dass die ehemaligen Soldaten vor irgend jemandem Angst gehabt hätten. Sie fürchteten weder Gott noch Tod und Teufel. Sie waren knöcheltief durch Blut gegangen. Aber die Reaktion der Hamelner Bürger hatte sie vorsichtig werden lassen. Freie Bürger sind immer eine Gefahr für Marodeure. Dieses hatten sie schon mehrfach während ihrer Flucht feststellen müssen.

In der Mitte des Dorfes, nahe einer Mühle sahen sie ein großes Bürgerhaus in dem noch ein Licht brannte. Der Schnee dämpfte ihre Schritte, als sie sich vorsichtig anschlichen. Beim schnellen Blick durch das große Fenster sahen sie einen Mann mittleren Alters an einem Schreibtisch sitzen. Er hatte eine Kasse neben sich stehen und machte offensichtlich eine Abrechnung. Ihre Gier nach dem Geld in der Kasse, einem warmen Raum, Essen und Trinken ließ sie jede Vorsicht vergessen. Sie suchten nach einem Hintereingang und fanden diesen auch. Der hünenhafte Sappeur schlug einige Male mit seiner Axt zu, und die Tür lag in Trümmern. Rücksichtslos wie hergelaufene Räuber stürmten die ehemaligen Soldaten in das Haus, durchquerten die Küche und drangen dann in den Raum ein, in dem der Mann seine Tagesabrechnungen gemacht hatte.

Bei dem Mann handelte es sich um den Kaufmann Böhmer. Er hatte den Lärm gehört und sofort seine Kasse in einem geheimen Fach hinter einem Möbelstück in Sicherheit gebracht. Die Marodeure ergriffen ihn und fragten nach dem Geld. Als der Kaufmann das Versteck nicht verraten wollte, banden sie ihn an einen Sessel und machten sich auf die Suche nach weiteren Hausbewohnern. Sie wurden fündig und brachten seine Frau, zwei Töchter sowie das Gesinde in die Stube. Alle wurden gebunden. Dann wurde das ganze Haus nach Essbarem und Wertgegenständen durchsucht. Da der wohlhabende Kaufmann viele seiner Waren im Haus lagerte, wurden sie sehr schnell fündig. Sie sprachen dem Essen und vor allen Dingen dem Wein und dem Schnaps kräftig zu. Durch den Alkohol verloren sie langsam die Kontrolle über sich und wurden immer hemmungsloser. Nachdem die Dienstmägde weggezehrt, vergewaltigt und eingesperrt worden waren, widmeten sie sich wieder dem Kaufmann und seiner Familie.

Sie schlugen seine Frau vor den Augen der Töchter. Dann drohten sie, den noch minderjährigen Mädchen etwas anzutun. Der Kaufmann verriet ihnen daraufhin das Versteck des Geldes. Die französischen Marodeure öffneten die Kasse und waren äußerst ungehalten über die geringe Summe, die sich darin befand.

Der Sappeur hob voll Wut seine Axt und enthauptete den Kaufmann vor den Augen seiner Frau und seiner Töchter. Danach wurde weiterhin dem Schnaps und Wein zugesprochen, bis einer der Mordbrüder nach dem Anderen im Alkoholrausch in tiefen Schlaf fiel.

Eins der Dienstmädchen hatte sich währenddessen aus seinem Zimmer befreien können. Es schlich sich vom Haus weg zur Mühle. Dort weckte es die Bewohner und berichtete was geschehen war.

Der Müller schickte sofort einen seiner Gehilfen los zum Böhmerhof, um in Erfahrung zu bringen wie die Lage dort war. Dieser Gehilfe kam mit der Nachricht zurück, dass in der Stube der Hausherr läge und enthauptet sei, und dass die Soldaten wohl alle in einem tiefen Rausch lägen. Der Müller ließ daraufhin in allen Häusern des Ortes die Bewohner wecken. Die alarmierten Männer fanden sich mit Sensen, Forken und Knüppeln bewaffnet bei der Mühle ein. Leise gingen sie dann zu dem Haus des Kaufmanns und stellten fest, dass die Räuber und Mordbrüder immer noch im tiefen Schlaf lagen. Sie schlichen sich in das Haus hinein und durchsuchten alle Zimmer. Aber offensichtlich hatten die französischen Soldaten eine Wache nicht für nötig befunden und lagerten zusammen im warmen Wohnzimmer des Hauses.

Die Hemeringer stürmten dort hinein und bevor die Soldaten richtig aus ihrem tiefen Rausch erwachten, waren sie bereits gefesselt. Sie wurden hinaus in den Schnee geworfen und warteten dort auf ihre Aburteilung. Die über den brutalen Mord wütenden und aufgebrachten Bürger Hemeringens, beschlossen die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen. Dem Mörder, der den Kaufmann Böhmer enthauptet hatte, wurde kurzerhand der Prozess gemacht. Er wurde unverzüglich an der großen Linde, welche sich vor dem Haus des Kaufmanns befand, aufgehangen. Mit seiner eigenen Axt wurde anschließend das Henkersseil durchgehackt und der Mann wurde in eine Schweinesuhle am Hemeringer Berg geworfen, wo seine sterblichen Überreste von Wildschweinen gefressen wurden. Die restlichen Soldaten wurden geschoren. Man nahm ihnen alle ihre Waffen, Kleidung und Habseligkeiten ab und jagte sie dann über die nahe gelegene Grenze in das Königreich Hessen Kassel. Man hat nie wieder etwas von Ihnen gehört.

Den Hemeringern aber war dieses eine große Lehre.

Nach dem Geschehen gründeten sie eine aufmerksame Bürgerwehr die weiteres Unheil von ihrem Dorf abwandte. Diese Bürgerwehr nannte sich

„Die Schützen“.

 

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